Herr Professor Wessling, warum hat die AG Abdomen die neue Zusatzqualifizierung „Abdominelle Radiologie“ entwickelt?
Die abdominelle Radiologie gehört zu den anspruchsvollsten Bereichen unseres Fachs. Gerade bei Erkrankungen der Leber, des Pankreas und des Kolorektums entscheidet die Bildgebung und unser Befund heute häufig über Therapiewahl und Prognose. Radiologinnen und Radiologen übernehmen dabei eine zentrale Rolle in interdisziplinären Tumorboards und Organzentren. Die erforderlichen Kompetenzen gehen in Teilbereichen inzwischen über die reguläre Facharztweiterbildung hinaus. Mit der Zusatzqualifizierung schaffen wir deshalb einen strukturierten, qualitätsgesicherten Nachweis dieser speziellen Expertise – eng orientiert an den Anforderungen der modernen klinischen Versorgung und den neuen Leistungsgruppen im Rahmen der Krankenhausreform.
Warum haben Sie sich für einen organbezogenen Aufbau mit Leber, Pankreas und Kolorektum entschieden?
Leber-, Pankreas- und kolorektale Erkrankungen gehören zu den zentralen Krankheitsbildern spezialisierter Organzentren und Leistungsgruppen. Gleichzeitig stellt ihre Bildgebung und Befundung besonders hohe Anforderungen an Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Behandlungsmanagement. Die drei ausgewählten organbezogenen Module ermöglichen flexibel und gezielt eine Spezialisierung dort, wo sie für die Patientenversorgung vor Ort den größten Mehrwert bietet.
Welche Inhalte vermittelt die Qualifizierung?
Die Zusatzqualifizierung ist zweistufig aufgebaut. Q1 vermittelt die wesentlichen Grundlagen einer modernen, leitliniengerechten abdominellen Bildgebung von Leber, Pankreas und Kolorektum. Die Q2-Module gehen deutlich darüber hinaus. Sie vermitteln die spezielle Expertise, die für die Arbeit als klinischer Partner in Organzentren und Tumorboards erforderlich ist – von komplexen diagnostischen Fragestellungen über Differenzialdiagnosen bis hin zum Verständnis der Behandlungskonzepte.
Was zeichnet die neue Zusatzqualifizierung besonders aus?
Entscheidend ist die Verbindung aus strukturierter Fortbildung und nachgewiesener praktischer Erfahrung. Deshalb müssen neben der erfolgreichen Kursteilnahme auch definierte Untersuchungs- und Befundzahlen nachgewiesen werden. Gleichzeitig schaffen wir mit den organbezogenen Q2-Modulen eine flexible Möglichkeit, sich gezielt in individuellen Schwerpunktbereichen – Leber, Pankreas oder Kolorektum – weiterzuqualifizieren. Wer alle drei Module absolviert, kann zusätzlich das Q2-Zertifikat „Abdominelle Radiologie“ erhalten.
Welche Voraussetzungen müssen Interessierte erfüllen?
Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in der Deutschen Röntgengesellschaft und der AG Abdomen. Für Q1 sind die laufende Facharztweiterbildung oder die Facharztanerkennung sowie der erfolgreiche Abschluss des Q1-Kurses und praktische Erfahrung erforderlich. Die Q2-Module setzen grundsätzlich die Facharztanerkennung voraus; bis Ende 2026 gilt hierfür eine Übergangsregelung hinsichtlich der Q1 Voraussetzung.
Welchen Mehrwert bietet die Zusatzqualifizierung für Radiologinnen und Radiologen?
Die Zusatzqualifikation ist kein Selbstzweck, sondern folgt einem konkreten Versorgungsbedarf. Die Zusatzqualifizierung macht besondere Expertise und Kompetenz nicht nur transparent und nachweisbar – sie stärkt vor allem die Qualität der Patientenversorgung in spezialisierten Zentren. Gleichzeitig ist uns wichtig, dass sie die Inhalte der Facharztweiterbildung sinnvoll und zielgenau ergänzt. Zusatzqualifizierungen sollten auf wenige Bereiche beschränkt bleiben, in denen die Anforderungen der subspezialisierten Medizin nachweislich über die reguläre Weiterbildung hinausgehen. Unser Ziel ist deshalb, einen bundesweit einheitlichen Qualitätsstandard für hochkomplexe Teilgebiete der abdominellen Radiologie zu etablieren.
Herr Professor Wessling, vielen Dank!