Lieber David, Du verbindest klinische Radiologie, Praxisführung und gesundheitspolitisches Interesse. Warum ist es gerade jetzt wichtig, dass sich Ärztinnen und Ärzte in der Selbstverwaltung engagieren?
Das Gesundheitswesen steht vor einer der größten Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel und eine alternde Gesellschaft verändern die medizinische Versorgung grundlegend.
Gerade deshalb müssen Ärztinnen und Ärzte ihre Perspektive aktiv einbringen. Viele Entscheidungen der kommenden Jahre werden nicht nur medizinisch, sondern auch politisch, organisatorisch und wirtschaftlich geprägt sein. Bei aller Innovation darf der Mensch dabei nicht aus dem Mittelpunkt geraten – weder die Patientinnen und Patienten noch die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen.
Du beschäftigst dich intensiv mit KI, strukturierter Befundung und digitalen Prozessen. Wo entwickelt sich die Radiologie in den kommenden Jahren hin – und was wird dabei entscheidend sein?
Die Radiologie hat das Potenzial, eine Vorreiterrolle bei der digitalen Transformation einzunehmen. Viele Prozesse sind bereits digital, und Künstliche Intelligenz kann Ärztinnen und Ärzte künftig bei Routinetätigkeiten unterstützen, Abläufe strukturieren und die Qualität weiter verbessern.
Entscheidend ist jedoch nicht die Technologie allein. Der Erfolg wird davon abhängen, wie gut wir sie in den Arbeitsalltag integrieren. KI ist deshalb nicht nur ein IT-Thema, sondern auch eine Frage von Führung, Organisation und guter Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technologie.
Welche Rolle sollte die Ärztekammer dabei spielen, damit technologische Innovation die ärztliche Arbeit sinnvoll unterstützt – und nicht verdrängt?
Die Ärztekammer sollte Innovation aktiv begleiten. Sie kann Orientierung geben, Standards mitentwickeln und dafür sorgen, dass neue Technologien sinnvoll in die Versorgung integriert werden.
Es darf nicht darum gehen, Technologie gegen Ärztinnen und Ärzte auszuspielen. Ziel müssen leistungsfähige Mensch-Technologie-Systeme sein. Die ärztliche Perspektive ist dabei
unverzichtbar, weil wir die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten ebenso kennen wie die Realität im Praxis- und Klinikalltag.
Du betonst die Bedeutung ärztlich geführter Versorgung und die Zukunft der Niederlassung. Was möchtest du jungen Kolleginnen und Kollegen mitgeben?
Ich bin überzeugt, dass medizinische Versorgung auch künftig ärztlich geführt sein sollte. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind wichtig, aber das Patientenwohl muss im Mittelpunkt bleiben.
Gleichzeitig verändert sich unser Beruf. Selbstbestimmte ärztliche Tätigkeit wird nicht einfach erhalten bleiben – wir müssen ihre Zukunft aktiv gestalten. Deshalb ist es wichtig, dass sich gerade junge Kolleginnen und Kollegen einbringen und Verantwortung übernehmen.
Vom Rettungsdienst über die klinische Radiologie bis zur Standortleitung: Welche Erfahrungen haben deinen Blick auf Verantwortung und Zusammenarbeit besonders geprägt?
Teamarbeit habe ich vor allem im Handball gelernt – als Spieler, Schiedsrichter und Jugendtrainer. Dort wird schnell klar, dass Erfolg nur gemeinsam möglich ist.
Geprägt hat mich auch die Zeit im Rettungsdienst. Sie hat meinen Blick auf Menschen, Verantwortung und Medizin nachhaltig beeinflusst. Später habe ich an der Universitätsmedizin Mainz erlebt, wie wichtig ärztliches Engagement für Veränderungen ist. Heute versuche ich, diese Erfahrungen als Standortleiter einzubringen: zuhören, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Danke für das Gespräch, David, und viel Erfolg für die Wahl
im Herbst!
Das Interview führte Florian Schneider, DRG-Geschäftsstelle.
Die Delegierten der Kammerversammlung der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz.
1. bis 22. September 2026 (Briefwahl). Die Wahlunterlagen werden allen Kammermitgliedern per Post zugesandt.
Alle Mitglieder der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz.
Die Kammerversammlung bestimmt die berufspolitische Ausrichtung der Ärzteschaft in Rheinland-Pfalz und wählt die Führungsgremien der Landesärztekammer.
David Werner kandidiert auf der Liste:
Fachärztliche Allianz Listenplatz 5.
Weitere radiologische Kandidierende dieser Liste:
• Dr. Wolfram Schaeben (Listenplatz 1)
• Dr. David Werner (Listenplatz 5)
• Dr. Annett Kern (Listenplatz 6)
• Dr. Peter Brühl (Listenplatz 15)
Weitere Informationen: https://www.kammerwahlen-rlp-2026.de/