Stürmischer Auftakt und das Individuum im Fokus

Vom 30. November bis zum 4. Dezember 2025 besuchte ich den RSNA in Chicago, der in diesem Jahr unter dem Leitthema „Imaging the Individual“ stand. Die Anreise gestaltete sich aufgrund winterlicher Rahmenbedingungen mit einem heftigen Schneesturm als Herausforderung, sodass viele Flüge verspätet waren oder ganz ausfielen. Dennoch prägten eine hohe wissenschaftliche Dichte und ein intensiver internationaler Austausch die Kongresswoche, die auch wettertechnisch mit einem winterlichen Lake Michigan direkt am McCormick Place eine besondere Atmosphäre bot. Ein prägender Moment war gleich zu Beginn die gemeinsame Eröffnungssession mit der Presidential Address von Umar Mahmood und dem Vortrag zum „All of Us“-Programm, welche eindrücklich zeigten, wie eng Bildgebung, Genomik und Datenwissenschaft künftig zur Erstellung individueller Risikoprofile verflochten sein werden.

Gremienarbeit und transatlantischer Austausch

Der Montag, 1. Dezember, stand für mich im Zeichen der Fachpolitik und der aktiven Einbringung in die internationale Gemeinschaft. Als Trainee Editorial Board Member nahm ich am Meeting desEditorial Boards teil. Ebenfalls an diesem Tag fand das RSNA-DRG Leadership Meeting statt, bei dem es zum Austausch zwischen dem RSNA und der DRG sowie zur Darstellung aktueller Entwicklungen und organisatorischen Hinweisen zu kommenden Jahrestagungen beider Fachgesellschaften kam. Anwesend waren Prof. Christiane Kuhl, Prof. Frank Wacker und Dr. Nadine Bayerl seitens der DRG sowie Prof. Umar Mahmood, Prof. Jeffrey Klein, Prof. Jorge A. Soto, Mark Watson, Karena Galvin und Meredith McNeil seitens der RSNA.

Wissenschaftliche Schwerpunkte und eigener Beitrag

Inhaltlich dominierte unter Anderem das Thema Künstliche Intelligenz den Kongress. Zahlreiche Beiträge befassten sich mit der Integration generativer Modelle zur Erstellung radiologischer Befundentwürfe, wobei betont wurde, dass wegen subtiler inhaltlicher Fehler eine radiologische Kontrolle obligatorisch bleibt. Ein weiterer Fokus lag auf KI-gestützten Rekonstruktionsverfahren in der MRT, die Untersuchungszeiten halbieren können, ohne die Bildqualität zu mindern. Am Mittwoch, den 3. Dezember, konnte ich schließlich im Rahmen der Scientific Sessions meine eigenen Forschungsergebnisse vorstellen. In der Session zur Imaging Informatics präsentierte ich unsere prospektive Studie zur Nutzung von Retrieval-Augmented-Generation zur Verbesserung der Patientenaufklärung vor CT-Untersuchungen.

Hot Topics 2025

Intensiv diskutiert wurde vor allem die praktische Anwendung generativer KI-Systeme, wobei die Notwendigkeit von domänenspezifischen Bewertungsmetriken und „Radiologist-in-the-loop“-Modellen hervorgehoben wurde. Auch die opportunistische Nutzung vorhandener Bilddaten war ein großes Thema, etwa Modelle, die anhand einer Thoraxaufnahme Gebrechlichkeit erkennen oder kardiovaskuläre Risiken stratifizieren. Im Bereich der Neurodegeneration sorgten Daten für Aufsehen, die einen Zusammenhang zwischen viszeralem Fettgewebe und kortikaler Atrophie in Alzheimer-Arealen zeigten, was die Rolle bildgebender Biomarker für modifizierbare Risikofaktoren unterstreicht. Zudem nahm die nachhaltige Radiologie breiten Raum ein, mit Diskussionen über Energieeffizienz und Klimaschutz im Gesundheitswesen.

Persönliche RSNA-Highlights

Besonders beeindruckt hat mich die Eröffnungssession, die das Motto „Imaging the Individual“ durch die Verknüpfung von Bildgebung und Präzisionsmedizin greifbar machte. Ein weiteres Highlight war die Plenarvorlesung von Tait Shanafelt zur Rolle sozialer Verbundenheit in radiologischen Teams. Angesichts zunehmender Digitalisierung und Teleradiologie thematisierte er eindrücklich, wie wichtig neue Interaktionsformen sind, um Isolation und Burnout vorzubeugen, was eine sehr relevante Perspektive auf unseren Arbeitsalltag bot.

Netzwerken und gesellschaftlicher Ausklang

Neben der Wissenschaft bot der Kongress zahlreiche Möglichkeiten zum persönlichen Austausch. Ein Highlight war die RSNA Leadership Recognition Reception am 3. Dezember in der weihnachtlich geschmückten Union Station. Den krönenden Abschluss bildete der RSNA Ausklang mit FJR, JIR und FFZ in der Big Bar des Hyatt Regency Chicago mit vielen Kolleginnen und Kollegen der deutschen Radiologie. Auch Prof. Dr. Saif Afat, Kongresspräsident des 107. Deutschen Röntgenkongresses, war bei diesem entspannten Ausklang dabei. Trotz der Kälte boten Momente wie eine winterliche Bootstour auf dem Chicago River einen willkommenen Ausgleich zum dichten Kongressprogramm.


Über Felix Busch

Ich arbeite als Assistenzarzt in der Radiologie am TUM Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM). Mein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Anwendung von Deep Learning und großen Sprachmodellen in der bildgebenden Diagnostik. Außerdem leite ich das Team Wissenschaft und Forschung des Forums Junge Radiologie. Mit diesem Netzwerk für junge Radiolog:innen wollen wir den wissenschaftlichen Nachwuchs unterstützen, gemeinsame, zentrumsübergreifende Forschungsprojekte umsetzen und Innovation für die nächste Generation an Radiolog:innen fördern.